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Einfach wünschen: Was ist wirklich dran am Manifestieren?

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«Ich habe den Job nur bekommen, weil ich ihn vorher manifestiert habe.» Oder: «So manifestierst du dir eine glückliche Beziehung.» Solche Sätze kursieren in den sozialen Medien häufig, etwa unter dem Hashtag #manifesting.
Doch was steckt dahinter? Der Psychologe und Paartherapeut Tobias Herrmann-Schwarz beschreibt Manifestieren als den Glauben, man könne das Universum um die Erfüllung seiner Wünsche bitten - wenn man nur fest genug daran glaubt. «Positives Denken allein, also eine bewusste Steuerung der Gedanken, soll meine Wünsche und Ziele erfüllen.»
Im weiteren Sinne bezeichnet Manifestieren auch die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Zielen – etwa indem man sich das Erreichen eines Ziels bildlich vorstellt (Visualisieren), bestärkende Sätze formuliert oder wiederholt (Affirmationen) oder Gedanken und Ziele schriftlich festhält (Journaling), erklärt Elisabeth Dallüge, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV).
Warum Manifestieren für viele faszinierend ist
Dass die Idee so viele Menschen anspricht, dürfte auch mit einem grundlegenden psychologischen Bedürfnis zusammenhängen. Elisabeth Dallüge spricht hier vom Wunsch nach Kontrolle und der Hoffnung, die eigene Zukunft selbst beeinflussen zu können.
Soziale Medien verstärken diese Vorstellung. Dort werden der Psychotherapeutin zufolge vor allem Erfolgsgeschichten sichtbar. Menschen berichten, wie sie durch Manifestieren reich, erfolgreich oder glücklich geworden seien. Dass sich ein Wunsch nicht erfüllt hat, wird deutlich seltener geteilt.
So könne schnell der Eindruck entstehen, Manifestieren funktioniere immer zuverlässig. Ganz nach dem Motto: «Wenn ich etwas nur stark genug möchte und daran glaube, dann wird es auch passieren.»
Wobei manifestieren helfen kann - und wobei nicht
Manifestieren muss deswegen nicht komplett als naives Wunschdenken belächelt werden. Es kann laut Tobias Herrmann-Schwarz dabei helfen, Ziele zu formulieren und sich bewusst mit den eigenen Wünschen auseinanderzusetzen.
Positive und realistische Affirmationen können unterstützend wirken. «Affirmationen können Sätze wie 'Ich bin wertvoll' oder 'Ich bin erfolgreich' sein.» Sie können den Selbstwert stabilisieren, die Motivation fördern und Stress reduzieren.
Wer an die eigenen Fähigkeiten glaubt, traut sich eher, etwas auszuprobieren und kann dadurch Selbstwirksamkeit erfahren. «Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit nehmen Herausforderungen eher an, bleiben bei Hürden trotzdem am Ball und schauen bei Rückschlägen eher auf den Lernprozess, als dass sie es als persönliches Versagen abstempeln», erklärt Herrmann-Schwarz.
Positive Erwartungen können zudem Zuversicht fördern. Wer glaubt, dass sich die eigene Anstrengung lohnt, setzt sich eher Ziele und probiert Neues aus. Zu hohe Erwartungen können dagegen für Frustration sorgen.
Wo Manifestieren an Grenzen stößt - und sogar riskant wird
Allerdings können Affirmationen die äußere Realität nicht allein verändern. Erfolg, Gesundheit, Geld oder Liebe entstehen laut Herrmann-Schwarz nicht durch positives Denken allein. Das eigene Verhalten und die jeweiligen Lebensumstände spielen eine Rolle. Bei Menschen mit einem ohnehin negativen Selbstbild können sehr positiv formulierte Affirmationen sogar Zweifel verstärken, so Herrmann-Schwarz.
Elisabeth Dallüge hält Manifestieren vor allem dann für problematisch, wenn das Denken unflexibel wird und man glaubt, nur die richtige Manifestation könne über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Eine solche Haltung kann dazu führen, dass Menschen sich für alles, was ihnen widerfährt, selbst verantwortlich machen.
Bleiben die gewünschten Ergebnisse aus, können starke Selbstzweifel entstehen. «Permanentes Internalisieren von negativen Ereignissen kann zu einem erhöhten Risiko für geringes Selbstwertgefühl bis hin zu depressiven Symptomen führen», sagt Tobias Herrmann-Schwarz.
Gleichzeitig kann der Glaube an Manifestationen laut Herrmann-Schwarz eine Illusion von Kontrolle erzeugen. Zufall, äußere Umstände oder gesellschaftliche Faktoren geraten dabei leicht aus dem Blick. Elisabeth Dallüge sagt: Selbstwirksamkeit bedeutet nicht, alle hätten die gleichen Handlungsmöglichkeiten. «Gesellschaftliche Ungleichheiten und strukturelle Barrieren lassen sich nicht einfach weg manifestieren», sagt sie.
Und auch gegenüber anderen Menschen kann die Haltung problematisch werden, etwa wenn Krankheiten oder Misserfolge als selbst verschuldet betrachtet werden.
Manifestieren als Unterstützung, nicht als Ersatz
Manifestieren kann ein hilfreiches Werkzeug sein - solange es zum Handeln anregt. Dallüge formuliert es so: «Wichtig ist, zu wissen, dass Manifestieren ein Handeln unterstützen kann, aber nicht ersetzen darf.»
Wer sich ein Ziel setzt, kann dadurch Motivation und Orientierung gewinnen. Das Ziel selbst erreicht man jedoch nicht allein durch einen Wunsch. «Nicht der manifestierte Wunsch macht den Unterschied, sondern das Verhalten, das daraus entsteht», stellt die Psychotherapeutin klar.
Auch Akzeptanz gehört dazu. Nicht alles lässt sich beeinflussen und psychische Gesundheit bedeutet nicht, alles kontrollieren zu können, sondern unterscheiden zu können, was wir verändern können und was wir akzeptieren müssen.
Wer Manifestieren ausprobieren möchte, kann sich deshalb zunächst eine einfache Frage stellen: «Ist die Manifestation nur ein kleines zusätzliches Experiment für mich oder meine einzige Möglichkeit, mein Ziel zu erreichen?» Im zweiten Fall sei Vorsicht geboten, sagt Tobias Herrmann-Schwarz.
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(06.10.2026)

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